Trockenmauern

Trockenmauern

das Einfache, was so schwer zu machen ist

Gab's bei denen zuhause keine Holzklötzchen? Haben die im Kindergarten nie mit Lego gespielt? Wo ist ein Gespür für Statik? Wo ein Empfinden für Ästhetik? Lieblos aufeinander geworfene Bruchsteine, fest vermörtelte Betonsteine, gegossene Betonwände... Der Anblick vieler Weinbergsmauern schmerzt. Es ist schrecklich, wie eine  Kulturlandschaft derart

verschandelt wird und das Amt für Denkmalschutz (ja, unsere Mauern stehen tatsächlich unter Denkmalschutz!) nicht hinsehen will. Gerade mal 0,75 Prozent der deutschen Weinberge sind noch traditionell terrassiert. Und da sollte es doch gerade bei wachsendem Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit und von mir aus auch romantisierender Heimat möglich sein, dass...

Genug geschimpft. Es gibt auch sehr viele wunderschöne Mauern. Und es gibt in Ministerien und Behörden engagierte Menschen, die sich für die Weinbergsmauern stark machen. Traditionell sind sie trocken, ohne Verwendung von Mörtel, aufgesetzt. Das hat den großen Vorteil, dass bergseitiges Wasser abfließen kann und dass Eidechsen, Schlingnattern & Co einen optimalen Lebensraum haben. Aber auch für die Haltbarkeit der Mauer selbst ist die Trockenbauweise von entscheidendem Vorteil. Mörtel verwittert schneller als Stein. Schon nach 100 Jahren sollte die Mauer daher Probleme bekommen. Wenn Stein auf Stein gelegt wird, und zwar so, dass mit kleinen Steinen so lange unterlegt wird, bis nichts mehr wackelt, korreliert die Lebensdauer einer Mauern mit der Härte des Schiefers. Bei sehr weichen Schiefern beträgt die Halbwertzeit ca. 200 Jahre, bei härteren Steinen mehr als das Doppelte. Natürlich nur, wenn kein größerer Bergrutsch entsteht und wenn beim Mauern selbst die essentiellen Regeln eingehalten werden: Keine senkrechten Fugen, keine waagerechten Fugen, die  länger sind als 80 cm und eine Neigung gegen den Berg von ca. 3°. Die schöne Seite des Steins, das Gesicht, zeigt nach vorne und ist so verlegt, dass, falls nicht rechtwinklig gebrochen, die obere Kante weiter vorsteht, als die untere Kante. 


Parallel mit der Mauer wächst die sogenannte Hintermauer aus kleineren und weniger schönen Steinen. Sie ist essentiell für die Statik, da es bei dieser Art von Mauern auf Kompaktheit und Gewicht ankommt. Um die beiden Mauern miteinander zu verbinden, muss ab und zu ein sogenannter Riegel verlegt werden. Ein schmaler, langer Stein, der in Richtung Berg zeigt. 


Eigentlich ganz einfach. Aber es dauert schon eine Weile, bis sich eine tiefere Beziehung zwischen Maurer und Stein entwickelt. Wohin und wie fest muss ich mit meinem Hammer zuschlagen, damit die störende Ecke abbricht und nicht der ganze Stein zertrümmert ist? Und mit welchem Blick muss mich der Stein anlachen, damit er in die vorgesehene Lücke auch genau hineinpasst? 


Steine und Maurer.  Weinbergsmauern erzählen die Geschichte einer Beziehung.


Wie lege ich die Steine? Wie oft wechsle ich ab mit großen und mit kleinen Steinen? Welches Fugenbild, welches Muster kristallisiert sich heraus?  Zufällig?


Je nach Stein und je nach Charakter des Maurers entstehen sehr ordentliche und sehr wilde Mauern. Manche ganz akkurat, aus vielen kleinen, ängstlichen Steinen, manche phantasievoll gemustert und mit großen, gewagten Bögen.


Wunderschön sind sie, unsere Weinbergsmauern.



Trockenmauern

das Einfache, was so schwer zu machen ist

Gab's bei denen zuhause keine Holzklötzchen? Haben die im Kindergarten nie mit Lego gespielt? Wo ist ein Gespür für Statik? Wo ein Empfinden für Ästhetik? Lieblos aufeinander geworfene Bruchsteine, fest vermörtelte Betonsteine, gegossene Betonwände... Der Anblick vieler Weinbergsmauern schmerzt. Es ist schrecklich, wie eine  Kulturlandschaft dearart

verschandelt wird und das Amt für Denkmakschutz (ja, unsere Mauern stehen tatsächlich unter Denkmalschutz!) nicht hinsehen will. Gerade mal 0,5 Prozent der deutschen Weinberge sind noch traditionell terrassiert. Und da sollte es doch gerade bei wachsendem Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit und von mir aus auch romantisierender Heimat möglich sein, dass...

Genug geschimpft. Es gibt auch sehr viele wunderschöne Mauern. Und es gibt in Ministerien und Behörden engagierte Menschen, die sich für die Weinbergsmauern stark machen. Traditionell sind sie trocken, ohne Verwendung von Mörtel, aufgesetzt. Das hat den großen Vorteil, dass bergseitiges Wasser abfließen kann und dass Eidechsen, Schlingnattern & Co einen optimalen Lebensraum haben. Aber auch für die Haltbarkeit der Mauer selbst ist die Trockenbauweise von entscheidendem Vorteil. Mörtel verwittert schneller als Stein. Schon nach 100 Jahren sollte die Mauer daher Probleme bekommen. Wenn Stein auf Stein gelegt wird, und zwar so, dass mit kleinen Steinen so lange unterlegt wird, bis nichts mehr wackelt, korreliert die Lebensdauer einer Mauern mit der Härte des Schiefers. Bei sehr weichen Schiefern beträgt die Halbwertzeit ca. 200 Jahre, bei härteren Steinen mehr als das Doppelte. Natürlich nur, wenn kein größerer Bergrutsch entsteht und wenn beim Mauern selbst die essentiellen Regeln eingehalten werden: Keine senkrechten Fugen, keine waagerechten Fugen, die  länger sind als 80 cm und eine Neigung gegen den Berg von ca. 3°. Die schöne Seite des Steins, das Gesicht, zeigt nach vorne und ist so verlegt, dass, falls nicht rechtwinklig gebrochen, die obere Kante weiter vorsteht, als die untere Kante. 


Parallel mit der Mauer wächst die sogenannte Hintermauer aus kleineren und weniger schönen Steinen. Sie ist essentiell für die Statik, da es bei dieser Art von Mauern auf Kompaktheit und Gewicht ankommt. Um die beiden Mauern miteinander zu verbinden muss ab und zu ein sogenannter Riegel verlegt werden. Ein schmaler, langer Steil der in Richtung Berg zeigt. 


Eigentlich ganz einfach. Aber es dauert schon eine Weile, bis sich eine tiefere Beziehung zwischen Maurer und Stein entwickelt. Wohin und wie fest muss ich mit meinem Hammer zuschlagen, damit die störende Ecke abbricht und nicht der ganze Stein zertrümmert ist? Und mit welchem Blick muss mich der Stein anlachen, damit er in die vorgesehene Lücke auch genau hineinpasst? 


Steine und Maurer. Weinbergsmauern erzählen die Geschichte einer Beziehung.


Wie lege ich die Steine? Wie oft wechsle ich ab mit großen und mit kleinen Steinen? Welches Fugenbild, welches Muster kristallisiert sich heraus?  Zufällig?


Je nach Stein und je nach Charakter des Maurers entstehen sehr ordentliche und sehr wilde Mauern. Manche ganz akkurat, als vielen kleinen, ängstlichen Steinen, mache phantasievoll gemustert und mit großen, gewagten Bögen.


Wunderschön sind sie, die Mauern unserer Weinbergen.


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